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Inkontinenz - was tun?

Aktualisiert: 18. Feb.

Inkontinenz - ein Thema, das leider immer noch zu selten thematisiert wird und doch sehr viele Menschen betrifft. Allgemein bezeichnet Inkontinenz den unfreiwilligen Abgang von Urin oder Stuhl. In diesem Blogartikel geht es um die Harninkontinenz.

Nasse Hosen, die zum Trocknen auf der Leine hängen

Harninkontinenz bezeichnet den unfreiwilligen Abgang von Urin. Frauen sind ca. 3 mal so häufig betroffen wie Männer. Die Urinmenge, die ungewollt abgeht, kann zwischen wenigen Tropfen und einer vollständigen Blaseneentleerung variieren. Die Betroffenen fühlen sich oft erheblich in ihrer Lebensqualität und Teilhabe am alltäglichen Leben eingeschränkt.   

Bei der Harninkontinenz werden verschiedene Formen unterschieden. Die drei häufigsten Formen sind die Belastungsinkontinenz, die Dranginkontinenz und die Mischinkontinenz.


Belastungsinkontinenz

Bei der Belastungsinkontinenz verliert die Betroffene bei körperlicher Belastung Urin, wenn der Druck im Bauch ansteigt und höher ist als der Verschlussdruck der Harnröhre. Typische Situationen für Urinverlust sind z.B. Husten, Niesen, Rennen, Springen etc. Es entsteht ein Missverhältnis zwischen Harnröhrendruck und Bauchinnendruck, das dann zu Urinverlust führt.

Ursachen dafür können sein, dass die Beckenbodenmuskulatur nicht rechtzeitig anspannt oder nicht kräftig genug anspannt, um den Verschlussdruck der Harnröhre zu erhöhen. Dies kann durch Beckenbodentraining gezielt verbessert werden. In manchen Fällen funktioniert die Beckenbodenmuskulatur gut, aber die Faszie hinter der Harnröhre bietet nicht genügend Halt und gibt nach, sodass dadurch der Verschlussdruck der Harnröhre nicht optimal erhöht werden kann. Dann kann ein Pessar helfen, um die erforderliche Stabilität wiederherzustellen. Zudem ist für die Kontinenz das exakt aufeinander abgestimmte Zusammenspiel von Beckenbodenaktivität, Atmung und Bauchmuskulatur sehr wichtig. Wenn einer dieser Beteiligten nicht funktionell arbeitet oder das zeitliche Zusammenspiel nicht optimal läuft, kann es zur Inkontinenz kommen. Deshalb ist es wichtig, genau zu untersuchen, welche Strukturen ein Problem haben. Aus diesem Grund mache ich einen ausführlichen Befund mit einer vaginaler Tastuntersuchung und idealerweise auch dem Funktionsultraschall, um die Funktionsfähigkeit und die Koordination zwischen Beckenbodenmuskulatur, der Atmung und der Bauchmuskulatur zu beurteilen und eine darauf spezifisch abgestimmte Therapie zu starten.

 

Dranginkontinenz

Bei der Dranginkontinenz, die auch als überaktive Blase (overactive bladder) bezeichnet wird, kommt es zu einem plötzlichen, nicht kontrollierbaren Harndrang, der zu einer ungewollten Blasenentleerung führt, bevor die Toilette erreicht wird. Meist können die Betroffenen Urin nicht lange halten und gehen am Tag sehr häufig zur Toilette. Typische Trigger können das Öffnen der Haustüre sein, Wasserplätschern oder der Moment kurz bevor die Toilette erreicht wird.

Die Ursachen sind auch hier vielfältig. Meist erhält der Blasenmuskel zuviele, unkontrollierte Nervenimpulse und kontrahiert sich dadurch zu häufig oder aber die Drangwahrnehmung in der Blasenwand ist überempfindlich und setzt zu früh ein.

Mögliche Ursachen sind ein ungünstig antrainiertes Toilettenverhalten, neurologische Erkrankungen (z.B. Parkinson, Multiple Sklerose), Organsenkungen, hormonelle Veränderungen (z.B. Wechseljahre), Blasenentzündungen, Harnröhrenverengungen, Bestrahlungen, Blasentumore, Operationen. Die Ursache sollte ärztliche abgeklärt werden, bevor wir die Beckenbodenphysiotherapie starten.

In der Beckenbodenphysiotherapie erheben wir im Rahmen des ausführlichen Befundes in der Regel ein Miktionsprotokoll, um das Trink- und Entleerungsverhalten zu checken und ggf. zu optimieren. Je nach Ursache greifen unterschiedliche Behandlungsmethoden. Zu den gängigen Maßnahmen zählen ein gezieltes Blasentraining, systematisches Beckenbodentraining, manuelle Techniken, Pessare bei Senkungen, ggf. eine begleitende hormonelle/medikamentöse Behandlung, Stressmanagement und Entspannungstechniken, Elektrostimulation etc. Sprechen Sie mich bei Fragen gerne an.

 

Mischinkontinenz

Bei der Mischinkontinenz treten Symptome von beiden Inkontinenzformen auf: Einerseits der ungewollte Urinverlust bei Belastung wie Husten, Niesen, Hüpfen (Belastungsinkontinenz) sowie ein starker, plötzlicher Harndrang (Dranginkontinenz). Hier ist ebenfalls die genaue physiotherapeutische Befunderhebung wichtig, um die Therapie auf die Symptome und Ursachen abstimmen zu können.

 

Fazit: Alle Inkontinenzformen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl konservativer Maßnahmen, die wir in der Beckenbodenphysiotherapie ergreifen können. Eine frühzeitige Abklärung und gezielte Therapie können helfen, die Symptome zu lindern und die Kontrolle über die Blasenfunktion wiederzuerlangen. Zögere nicht dir professionelle Unterstützung zu suchen.

 
 
 

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